Marathon Debüt in London

Stefan´s Eindrücke zur neuen Herausforderung Marathon.

Der Marathon ist die Königsdisziplin des Langstreckenlaufens. Eine Strecke die ich mit Bewunderung über den Fernseher oder live bei Staffelläufen miterlebt habe. Jedoch waren diese 42,125km für mich lange kein Thema. Als ambitionierter Hobbysportler gilt es zuerst mal eine vernünftige Basis von 5km bis zur Halbmarathondistanz aufzubauen, um für den Marathon einen guten „Grundspeed“ aufzubauen. Nach meinem sehr durchwachsenen Einstieg in die Laufszene vor 7 Jahren hatte ich nach frühen Erfolgen schnell mit Verletzungen zu kämpfen und musste meinen Körper mit viel Geduld auf die sehr anspruchsvolle Laufbelastung gewöhnen. Seit 3 Jahren konnte ich aber mit neuem Trainer und bewussterem Lebensstil konstant gute Leistungen bringen und vor allem verletzungsfrei bleiben.

Nach neuer Halbmarathon Bestzeit in 1:13,18 vergangenen Herbst, stellte sich für mich vor der neuen Saison die Frage in welche Richtung ich mich 2019 entwickeln wollte. Sollte ich tatsächlich den Schritt Richtung Marathon gehen? Diese Frage erübrigte sich nach einer Mail von Chrissports in der das Interesse nach einem Startplatz für den London Marathon abgefragt wurde. Für mich DER Marathon überhaupt! Natürlich sendete ich sogleich, dass ich gerne laufen würde, rechnete aber insgeheim nicht damit, sicher einen Startplatz zu bekommen. Ich konnte es kaum fassen, als mein fixer Startplatz bestätigt wurde. Somit war der Fokus für das Frühjahr 2019 klar auf mein Marathon Debüt gelegt.

Mein Training Richtung Marathon startete ich allerdings auf Langlaufskiern. Bei den Schneemassen die wir in Österreich hatten eine perfekte Gelegenheit mit geringer muskulärer Belastung eine gute Grundlagenbasis mit vielen Trainingsstunden zu schaffen. Ab Februar ging es dann aber mit den marathonspezifischen Einheiten in Mallorca los. 10 Tage volle Konzentration auf das Laufen waren mein zweiter wichtiger Baustein für den Marathon. Da ich eine recht ausgeprägte Pronation habe, ist eine Pronationsstütze im Schuh für mich essentiell. Umso wichtiger ist daher meine Schuhwahl. Mit dem New Balance Vongo V3 habe ich den für mich idealen Trainingsschuh gefunden. Die perfekte Mischung von geringer Sprengung (4mm) und komfortabler Dämpfung begleitete mich schmerzfrei durch meine langen Grundlagenläufe. Als Begleiter durch die schnellen Tempoeinheiten und späterer Marathonschuh erwies sich der New Balance 1500 V5. Perfekte Führung und direkte Kraftübertragung machen diesen Schuh zu meiner idealen „Waffe“ für den Marathon.

4 Wochen vor dem Marathon absolvierte ich noch einen letzten Leistungstest, indem wir ermittelten in welche Richtung ich am 28.4. laufen sollte. Der erste Marathon ist natürlich schwer einzuschätzen, doch lief das Training sehr gut und eine Zeit unter 2:40h schien absolut realistisch. 

Mit 4 Monaten perfektem Training in den Beinen ging es schließlich am Freitag vor dem Marathon mit dem Flieger nach London. Noch hielt ich für mich das Abenteuer London Marathon bewusst sehr klein, um nicht zu viel Energie in Aufregung zu vergeuden. Aber spätestens auf der Marathonmesse mit der Startnummer in den Händen, wurde der Traum zur Realität und die Vorfreude stieg ins Unermessliche. Unser Zimmer in der Nähe des Starts bezogen, ging es dann am Nachmittag zu einem kleinen „shakeout run“ mit 2x1km im Wettkampftempo. Für mich die perfekte Möglichkeit mich wieder auf das Wesentliche, das Laufen, zu konzentrieren und die Müdigkeit aus den Beinen zu bekommen. Den Tag vor dem Marathon nutzte ich für einen weiteren kurzen Lauf und eine entspannte Tour durch Londons Einkaufsstraßen. Weiters besichtigten wir noch ein paar markante Punkte auf der Strecke, um uns noch besser auf das Rennen einstellen zu können. Im Hotel angekommen ging es dann an die letzten Vorbereitungen für den Marathon. Als Wettkampfbekleidung entschied ich mich für ein Stirnband, Singlet mit Ärmlingen und eine kurze Tight. Als Schuh setzte ich wie im Training getestet auf den New Balance 1500. Bei der Ernährung entschied ich mich mit 3 Gel`s und Wasser auf der Strecke durchzulaufen.

Am Renntag ging es 3h vor dem Start zum Frühstück. Die gewohnte Anspannung vor dem Rennen war da, aber die Vorfreude das es bald los geht überwiegte. Den Rucksack für das Ziel gepackt ging es dann Richtung Start. Ein für mich sehr ungewohntes Gefühl in den Massen an Läufern, ohne fixe Platzierung- oder Ziel-Zeit an den Start zu gehen. Sehr begeistert war ich von der Organisation der Startblöcke. Ich konnte von der zweiten Reihe aus starten, was bei so einer großen Veranstaltung ein riesen Vorteil war. Um 10:10 ging es dann endlich los! Komplett entspannt und frei rollte der erste km dahin bis wir mit den Läufern der Englischen Meisterschaften zusammengeführt wurden. Hier bekam ich erst einen richtigen Einblick in welch großkarätigen Rennen ich mich befinde. Bei Tempo 3:35km auf leicht fallender Strecke lief ich in einer wahren Menschenmasse! Mein erster Gedanke war, dass die das alle unmöglich durchziehen können. Trotz zahlreicher Läufer, die mich überholten, versuchte ich meinen Rhythmus zu finden und vor allem ruhig zu bleiben. Die Strecke ging die ersten 5km stetig bergab und so lief ich zügiger an als geplant, pendelte mich aber bis km10 auf 3:40km ein. Fast erdrückt von den überwältigenden Zuschauermassen und dem starken Starterfeld versuchte ich bei mir selbst zu bleiben und mich im Windschatten meine Konkurrenten durchzuschlängeln. So rollte ich nahezu mühelos Richtung Towerbridge (20km). Dort angekommen überwältigten mich meine Emotionen. Mit Gänsehaut lief ich, umringt von tausenden Zuschauern, auf diese unglaubliche Brücke zu. Mir kamen sogar kurz die Tränen als ich die Brücke überquerte. Dieses Gefühl werde ich nie vergessen! Am anderen Ufer angekommen ging es dann auch schon in 1:16,58 über die Halbmarathonmatte. „Ein guter Polster, den es jetzt zu verwalten gilt!“, ging mir durch den Kopf. Bis ca. km28 gelang mir das sogar noch im selben Rhythmus, bis mein Köper sich mit ersten Anzeichen der Müdigkeit bemerkbar machte. Ab diesem Zeitpunkt wurden für mich die Wasserstationen und mein Gel zum Mittelpunkt des Rennens. Noch dazu kam das sich meine Vermutung viele Läufer gegen Schluss einsammeln zu können nicht bestätigte. So bewegte ich mich ab km 32 in meinem Tunnel vorwärts und versuchte, mit meinen Kräften so sparsam wie möglich umzugehen. Bei Km37 hatte ich mit leichten Krampfansätze zu kämpfen, die meine Laufbewegung noch zusätzlich erschwärten. Mittlerweile Trank ich auch die komplette Wasserflasche an der Laabestation leer. Etwas, das ich gegen Rennanfang sicher zu wenig genutzt habe. Nach km41 am Big Ben vorbei ging es dann endlich auf die letzten Meter Richtung Ziel. Hier hätte ich eigentlich geplant die Stimmung zu genießen und das Tempo ein letztes Mal anzuziehen. Im Rennen war das dann leider nicht mehr umzusetzen und ich lief, in Gedanken meinen Körper möglichst flüssig vorwärts zu bekommen, Richtung Ziel. Die letzten 200m konnte ich aber dann doch noch den Zieleinlauf genießen, wenn auch die Uhr vor meinen Augen von 2:36 auf 2:37 übersprang.

Im Ziel angekommen war die Freude über das Finish selbst größer als über die Zeit. Dieser Marathon stand für mich ganz unter dem Zeichen „der Weg ist das Ziel“. Das ich mit 2:37,08 die 2:40er marke deutlich unterbieten konnte macht mich sehr stolz, ich werde aber noch etwas brauchen die Leistung für mich selbst richtig einzuschätzen. In jedem Fall hat es Lust auf mehr gemacht, wenn gleich es der nächste Marathon sicher schwer hat dieser Stimmung in London Konkurrenz zu machen. 

Was meine Wahl der Rennbekleidung angeht, hat alles perfekt funktioniert. Keine Blasen oder aufgeriebene stellen. Besser kann man es sich nicht wünschen. Der obligatorische Muskelkater durfte die Tage nach dem Rennen natürlich auch nicht fehlen, aber das gehört eben dazu, wenn man seinen Körper an seine Leistungsgrenzen bringt. 

Mein Laufjahr wird nach einer doch eher kurzen Erholungszeit mit diversen Firmenläufen weiter gehen. Im Sommer steht dann ein 50km Geländelauf um den Großglockner am Programm ehe es Richtung Herbst wieder zurück auf die Straße geht. Schließlich gilt es für mich meinen Vorjahressieg beim Piestingtal Halbmarathon zu verteidigen. Bis dahin, keep on running!