GGUT 50km 2000hm

Stefan Lakinger

Grenzerfahrung der besonderen Art.


Das Event rund um den Großglockner fasziniert mich schon seit Jahren. Nach dem ersten Start meines Onkels über die 110km vor 2 Jahren beschlossen wir spontan die Strecke abzuwandern. Auf dieser 3 Tages Tour blieb mir neben der unglaublich schönen Landschaft speziell die 2. Hälfte der Strecke im Gedächtnis und ich setzte mir in den Kopf, diese mal selbst laufend in Angriff zu nehmen.
Nach meinem Marathon Debüt im Frühjahr entschied ich mich ohne spezifisches Training meinen diesjährigen Bergurlaub mit dem 50km Lauf am Glockner abzuschließen.
Und so nahm ich sehr naiv, aber mit umso größerer Motivation die Strecke am Samstagmorgen in Angriff.
Im sehr kontrollierten Tempo ging es die ersten 8km leicht steigend ins wunderschöne Dorfertal, ehe es technisch wurde. Im steileren Bereich nutzte ich dann meine Trailstöcke und konnte meinen Rhythmus gut halten. So ging es nahezu mühelos an traumhaften Bergseen und Wasserfällen vorbei bis zur ersten großen Laabe bei der Rudolfshütte.

Dort angekommen und komplett überfordert von dem riesen Angebot, machte ich meinen größten Fehler im Rennen und füllte mir meine Flaschen nur mit ISO an.
Auf den nächsten km fühlte ich mich sensationell. Konnte sogar im langen Anstieg auf 2600m Plätze gut machen ohne das Tempo zu erhöhen und war zwischenzeitlich sogar in den top10!
In der Euphorie entschied ich mich ein Gel zu nehmen. Was ich allerdings nicht bedacht hatte war, dass ich kein Wasser zum nach trinken hatte. So versuchte ich es mit dem ISO aufzunehmen, was sich leider kurz darauf rechte… Oben angekommen ging es dann zuerst auf einem Schneefeld, später dann über Steinplatten technisch bergab. Meine Beine waren spitze, allerdings merkte ich schon beim Gedanken etwas zu essen oder trinken, das dies etwas schwierig werden würde… Beim nächsten Wasserfall könnte ich endlich Wasser in meine Flasche füllen und versuchte gleich ein Paar schluck zu machen. Als ich diese nicht lange bei mir halten konnte, wurde die Lage doch etwas ernster. Den ersten Staudamm schon recht energielos überwunden, schaffte ich es bis zur nächsten großen Laabe am Mooserboden – 17km vor dem Ziel. Hier versuchte ich es mal mit Cola… Noch eine schlechtere Idee Einzig Banane und etwas Wasser funktionierten. Nach einigen andächtigen Minuten neben der Laabe entschied ich mich dennoch zum Weitermachen. Muskulär hatte ich ja keine Probleme und der Tag war noch jung. Zur Not gehe ich eben bis Kaprun.

Die nächsten km waren ein reiner Kampf, etwas von der Laabe bei mir zu behalten. Nach 7km musste ich den Kampf leider erneut aufgeben und so saß ich 10km vor dem Ziel im Wald und versuchte krampfhaft ein Stück Riegel zu essen. Schlussendlich entschloss ich mich von den Gedanken, etwas essen und trinken zu müssen, Abschied zu nehmen und versuchte mehr schlecht als recht die letzten Kilometer zu laufen. Richtungswechsel oder der Blick auf die Uhr waren in diesem Fall sehr vorsichtig zu genießen, da mir dabei doch sehr schwummrig wurde, aber: Ich kam voran. Jeder Kilometer, den ich hinter mich brachte war ein riesen Erfolg. Als ich schlussendlich auf die letzten 2km gekommen bin, war ich mir meinem Finish das erste Mal seit langem wieder sicher gewesen und ich konnte meine Beine, die nach wie vor in einem unglaublich guten Zustand waren, endlich freigeben.

Im Ziel angekommen war die Freude um den gewonnenen Kampf gegen mich selbst größer als über die erbrachte Leistung.

4l Flüssigkeit später realisierte ich dann doch noch meine gute Leistung. 16. Platz Overall und eine Zeit von 6:02 sind für einen Straßenläufer wie mich doch ganz passabel.

„Was wäre wenn“ benütze ich generell sehr ungern und somit muss ich wohl in Zukunft noch mal die 50km in Angriff nehmen, denn ich weiß das auf dieser Strecke noch viel mehr für mich drin ist.

Alles in allem war es aber eine geniale Erfahrung in einer malerischen Kulisse die ich nur jedem empfehlen kann, der seinen Horizont was das Laufen angeht noch erweitern möchte!